Wie Maxime KI baut – und gelernt hat, sie richtig zu nutzen

Milestones and Achievements SIS Zürich

Es gibt Schüler, die KI-Chatbots benutzen, um schneller mit den Hausaufgaben fertig zu werden. Und dann gibt es Maxime. Er hat mit fünf Jahren angefangen, Python zu lernen, mit zwölf seinen ersten eigenen Bot programmiert und vor Kurzem sein eigenes KI-Modell fertig trainiert – Atlas. Wir haben uns mit ihm über seinen Weg, seine Projekte und darüber unterhalten, wie er als Schüler der SIS Zürich mit künstlicher Intelligenz umgeht.

Maximes Interesse an Technologie begann nicht erst mit ChatGPT oder Claude, sondern viel früher. «Mein generelles Interesse für Computer hat schon mit fünf oder sechs Jahren angefangen. Wir sind mit meinem Grossvater und meiner Mutter zu einer Messe in Mannheim gegangen – das war wirklich schon alles sehr cool. Vor allem der Stand von Nvidia.»

Zurück zu Hause ging es weiter, zunächst unter Aufsicht seiner Eltern an deren Computer. Sein Einstieg: Python, eine der wichtigsten Programmiersprachen überhaupt – auch die Basis, auf der moderne KI-Systeme aufgebaut sind. Sein erstes eigenes Projekt war denkbar alltagsnah: «Das Erste, was ich programmiert habe, war so ein Abfrage-Bot, der die Einkaufsliste für uns gemacht hat. Meine Eltern konnten Einkaufslisten draufschreiben, und wenn sie dann im Laden nachsehen wollten, konnten sie einfach in die Notiz-App schauen.»

Von automatisierten Einkaufslisten ging es zu Smart-Home-Lösungen: Maxime hat sein Zuhause mit Bewegungsmeldern und GPS-Tracking so eingerichtet, dass Licht und Rollläden automatisch gesteuert werden, wenn er oder seine Eltern das Haus verlassen. Interesse an Hard- und Software geht bei ihm Hand in Hand.

Vom Schulprojekt zum eigenen Modell

Während des Deutschunterrichts hatte Maximes Klasse an einer schweizweiten KI-Challenge teilgenommen. Damals hatte er eine KI entwickelt, mit der man Fragen zum Sihlwald stellen und ein wortartenbasiertes Quiz spielen konnte – eine eigene Plattform mit Chatbot im Hintergrund. Die Idee kam gut an, auch wenn daraus kein grösseres Projekt wurde.

 

Mittlerweile ist Maxime einen Schritt weiter: Er hat sein eigenes KI-Modell namens Atlas trainiert – nach demselben Grundprinzip, nach dem auch grosse Anbieter ihre Modelle bauen. Sein nächstes Projekt ist ein persönlicher, smarter Assistent, eine Art intelligentere Alexa, die – anders als die bekannten Sprachassistenten – auch mehrere Anweisungen gleichzeitig versteht und flexibel darauf reagieren kann. Und Maxime bleibt ambitioniert: Er plant, künftig an Hackathons grosser Firmen wie Anthropic teilzunehmen, um dort mit echten KI-Modellen eigene Ideen umzusetzen.

Das ging schnell, aber es blieb nichts hängen, weil ich selbst nicht nachdenken musste.

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Wenn KI plötzlich zum (Schul-)Problem wird

«Nach den Winterferien war meine Motivation für die Schule einige Wochen lang ein bisschen gesunken. Also habe ich meiner KI gesagt: Bearbeite das Arbeitsblatt. Das ging schnell, aber es blieb nichts hängen, weil ich selbst nicht nachdenken musste.» Statt Zeit zu sparen, hat sich der Aufwand am Ende nur verschoben – und sogar vergrössert: «Wenn man in der Klasse aktiv mitmacht und Hausaufgaben selbst bearbeitet, beansprucht das natürlich mehr Zeit. Macht man alles mit KI, nimmt man aus den Lektionen nichts mit und man braucht trotzdem wieder einige Extrastunden zuhause, um sich auf Prüfungen vorzubereiten.»

 

Maxime beschreibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten, KI zu nutzen: «Entweder KI hilft – man gibt eine Aufgabe und entwickelt die Antwort weiter. Oder KI macht einfach alles, man gibt die Aufgabe, es gibt die Antwort, und man kopiert diese und fügt sie ein. Dadurch verblödet man, ehrlich gesagt, ein bisschen.»

 

Er selbst hat gemerkt, dass es so nicht weitergehen konnte – nicht durch eine Standpauke, sondern an sich selbst: mehr Zeitaufwand, schneller erreichte Nutzungslimits und schliesslich schlechtere Noten. Seine Konsequenz: Er hat seinen Umgang mit KI bewusst wieder verändert.

Maximes Dos and Don'ts für den Schulalltag

Aus genau dieser Erfahrung heraus hat Maxime eine klare Empfehlung für alle Mitschülerinnen und Mitschüler: «Ich würde empfehlen, dass man KI nur benutzt, um sich helfen zu lassen. Nicht: Löse mir meine Aufgaben. Sondern: Schau dir alles durch, verstehe es tief, gib mir dann eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ich jeden Aufgabentyp löse. Und gib mir danach Übungsaufgaben, die genauso aufgebaut sind wie die echten – mit Tipps, damit ich proaktiv lerne, statt nur die Aufgaben machen zu lassen.»

 

Dos

  • Erklären lassen statt lösen lassen – «Erklär mir Schritt für Schritt, warum …» statt «Löse Aufgabe 3». Der Lerneffekt entsteht beim eigenen Denken.
  • Erst selbst versuchen, dann die KI um Feedback bitten – eigenen Lösungsweg eingeben und fragen, wo der Fehler liegt.
  • Fakten gegenchecken – KI halluziniert, besonders bei Quellen, Zahlen und Jahreszahlen.
  • Eigene Texte verbessern lassen – Feedback zu Struktur und Argumentation holen, aber selbst umschreiben.

Don'ts

  • Antworten 1:1 kopieren – kurzfristig fertig, langfristig nichts gelernt. Und Lehrpersonen merken es fast immer.
  • KI-Texte als Eigenleistung abgeben – gilt als Plagiat und kann echte Konsequenzen haben.
  • KI vor dem eigenen Denken einsetzen – das «produktive Kämpfen» mit der Aufgabe ist genau der Moment, in dem man lernt.
  • Schulregeln ignorieren – klären, was erlaubt ist, besonders bei benoteten Arbeiten.
  • Faustregel: Wenn du die Aufgabe danach allein erklären kannst, hast du KI richtig genutzt.

Der Blick nach vorne

Nach der Maturität will Maxime an die ETH Zürich, um Machine Learning zu studieren – bewusst auf Englisch, weil die grossen Tech-Firmen fast ausschliesslich englischsprachig arbeiten. Für ihn ein weiterer Grund, warum eine bilinguale Schulzeit an der SIS Zürich für seinen Werdegang einen klaren Vorteil darstellt.


Wer neugierig geworden ist, findet auf muter.net einen Einblick in Maximes Schaffen – seine ganz persönliche Projektseite. Hier wird schnell klar: Er probiert nicht einfach fertige Tools aus, sondern baut lieber selbst – am liebsten auf eigener Hardware statt in der Cloud.

 

Maximes Geschichte zeigt: Wer KI nicht nur nutzt, sondern versteht, wie sie funktioniert, gewinnt weit mehr als nur schnellere Antworten – er gewinnt echte Kompetenz für die Zukunft.