Wie lernen Kinder Fremdsprachen am besten?

Vortrag von Prof. Dr. Thorsten Piske an der SIS Regensburg

Prof. Piske ist Inhaber des Lehrstuhls für Fremdsprachendidaktik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und erforscht, wie bilinguales Lernen funktioniert und was dabei in den Köpfen der Kinder passiert. Er beschäftigt sich dabei unter anderem mit der so genannten Immersionsmethode, nach der auch der Unterricht an der SIS Swiss International School gestaltet wird: Etwa die Hälfte des Unterrichts findet auf Deutsch, die andere auf Englisch statt. Die Kinder tauchen dabei vollständig in die jeweilige Sprache ein, weswegen die Immersionsmethode auch als »Sprachbad« bezeichnet wird.

Vorteile des Sprachbads
Die Vorteile dieser Methode gegenüber dem herkömmlichen Sprachunterricht an deutschen Schulen sind unbestritten. Diverse Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich der Immersionsunterricht positiv auf kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, divergentes Denken und Kreativität auswirkt. Bei Kindern, die nach der Immersionsmethode unterrichtet werden, ist die Entwicklung der Zweitsprache deutlich weiter vorangeschritten als bei Schülern, die nach dem traditionellen Modell lernen. Für die Entwicklung der Erstsprache – so zeigen die Forschungsergebnisse – ergeben sich daraus keine Nachteile. Die Inhalte der Sachfächer können mit der Immersionsmethode ebenso gut vermittelt werden wie durch den herkömmlichen Unterricht. »Außerdem hat sich gezeigt, dass das Sprachbad für starke und schwache Lerner gleichermaßen geeignet ist«, fasst Piske den Forschungsstand zusammen. »Eine intensive Beratung der Eltern ist aber auf jeden Fall erforderlich.«

Vier Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Fremdsprachenlernen
Bilinguales Lernen kann Piske zufolge nur dann erfolgreich sein, wenn eine Reihe von Prinzipien beachtet und im Schulalltag umgesetzt werden:
- Möglichst früher Beginn
- Kontinuierlicher und intensiver Kontakt zur Fremdsprache
- Häufiger Gebrauch der Fremdsprache in verschiedenen und motivierenden Kontexten
- Authentischer und reicher Input durch Lehrkräfte und Erzieher mit einer hohen Sprachkompetenz

So bedarf es zudem einer klaren, auch sprachlichen Strukturierung des Schulalltags, wie beispielsweise eine eindeutige Zuordnung der jeweiligen Sprache zu bestimmten Fächern oder Personen. Wichtig sind auch die Kontextualisierung, also die Einbettung von Sprache in konkrete Situationen. Dadurch, dass an der SIS nicht nur der Unterricht, sondern der gesamte Schulalltag auf zwei Sprachen stattfindet, werden diese Prinzipien fast automatisch umgesetzt.